Peter Jennrich
- Facharzt für Allgemeinmedizin/Naturheilverfahren/Akupunktur
- Direktor des International Board of Clinical Metal Toxicology
- Wissenschaftlicher Berater der Deutschen Ärztegesellschaft für klinische Metalltoxikologie

Schädigung des Ungeborenen

 

Bereits 1911 machte  T. Oliver in einer noch heute führenden medizinischen Fachzeitschrift, dem „British Medical Journal“ auf Auswirkungen von Bleivergiftungen aufmerksam. Oliver schrieb unter dem Titel „Bleivergiftung und Geschlecht“ sinngemäß, dass „die Frauen, die in den Bleifabriken …arbeiteten, behaupteten, dass die Geburt von Kindern die  Risiken einer Bleivergiftung für die Mütter verminderte, weil sie das Blei an das ungeborenen Kind abgaben. Das Kind starb, aber der Körper der Mutter hat sich von Blei getrennt.“ (BMJ,1911,S.1096-1098,zitiert und übersetzt nach Needleman/Bellinger: Prenatal Exposure to Toxicants)

 

Trotz bereits seit längerem bestehender Anhaltspunkte und Beobachtungen galt noch vor einigen Jahrzehnten der Gedanke, dass Giftstoffe während der Schwangerschaft auf den heranwachsenden Fetus übertragen werden,  als abwegig und  unwahrscheinlich. Spätestens seit den Beobachtungen der Auswirkungen der Quecksilbervergiftungen von Minimata/Japan in den Jahren 1952-1960 musste man sich jedoch eines Besseren belehren lassen. Ursache der damaligen Massenvergiftung war der Verzehr von quecksilberverseuchtem Fisch der in der Minimata-Bucht gefangen wurde. Neben den schwerwiegenden Vergiftungserscheinungen bei über 2000 Erwachsenen musste man ein erhöhtes Auftreten von Fehl- und Totgeburten feststellen, sowie Hirnschäden bei Neugeborenen. Überraschend dabei war, dass manche Mütter keine Anzeichen einer Quecksilberschädigung aufwiesen, das Neugeborene jedoch schwerst geschädigt sein konnte .  Man fand heraus, dass Methylquecksilber beim Fetus neurologische Schäden und Verhaltensstörungen auslöst, in einer Dosierung, die für die Mütter noch nicht schädlich ist. Die Schäden beim Kind machen sich erst nach der Geburt bemerkbar, und treten vor allem durch Veränderungen an den Nervenzellen der Hirnrinde mit entsprechenden

Entwicklungsstörungen bis hin zu einer Verminderung des Gehirngewichtes auf. Dies ist aktueller denn je, wie Untersuchungen des amerikanischen „Center for Disease Control (CDC)“ belegen. Die Wissenschaftler kamen durch ihre Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass in den USA  jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter das Risiko hat, ein neurologisch geschädigtes Kind zur Welt zu bringen. Das bedeutet, dass rund 375.000 Babys jährlich dem Risiko eines neuronalen Defekts ausgesetzt seien, erklärte Michael Bender, Leiter des Projekts. Die Ursache dafür sei Quecksilber, dem das Ungeborene bereits im Uterus ausgesetzt ist.  Die Untersuchungen wurden nicht wie früher an dem geschätzten Fisch-Konsum der Mütter, sondern anhand von Blutproben und Haaranalysen durchgeführt. Die Quecksilber-Belastung betrifft deutlich mehr Frauen als bisher angenommen,

zudem blieben die hohen Methyl-Quecksilberwerte aufgrund der zunehmenden Anreicherung von Quecksilber in der Umwelt  nicht mehr auf Menschen mit einem hohen Fischkonsum beschränkt.

Ein ähnliches Risiko für das Ungeborene besteht wie bereits T. Oliver 1911 berichtete durch Blei. Da die nötigen Konsequenzen nicht umgehend gezogen wurden, beobachtet man auch noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts, dass Frauen in bleiverarbeitenden Betrieben eine wesentlich erhöhte Rate an Fehlgeburten erlitten. Cantarow und Trumper schrieben 1944 in Ihrem Buch „Bleivergiftung“, dass es allgemein anerkannt sei, dass bei schwangeren Frauen mit Bleibelastungen regelmäßig Fehlgeburten, sowie Früh- und Totgeburten auftraten. Wenn Kinder lebend geboren wurden, waren sie meist klein und schwach, entwickelten sich nur langsam und starben oft schon im Kindesalter. Weitere Beobachtungen in den nächsten Jahrzehnten ergaben, dass Kinder von Müttern mit Bleibelastung oftmals unter Schäden am Nervensystem mit daraus folgenden Symptomen litten. Dazu zählen Beschwerden wie Muskelzittern, Spastik, übersteigerte Reflexe, Krampfanfälle, Sprachentwicklungsstörungen, Entwicklungsverzögerungen und Zahnentwicklungsstörungen. 

Die Arbeitsbedingungen haben sich zwar in den letzten Jahrzehnten zumindest in den Industrienationen deutlich verbessert, aber leider ist stattdessen die Gesamtbelastung der Umwelt deutlich angestiegen. Welche Rolle Schwermetalle bei verhaltensauffälligen, hyperaktiven und lernschwachen Kindern spielen, sollte im Einzelfall immer geklärt und notfalls fachgerecht behandelt werden.

Zu den bekannten Risiken kommen neue Gefahrenquellen, zu denen auch radioaktives Uran gehört, ein Schwermetall dass von den USA zum Härten ihrer Munition benutzt wird.  Auf die Auswirkungen haben bereits 2002 irakische Ärzte aufmerksam gemacht, die ein gehäuftes Auftreten von Mongoloismus (= Down Syndrom bzw. Trisomie 21) bei Kindern beobachteten, deren Mütter jünger als 35 Jahre waren und die dem radioaktiven Uran ausgesetzt waren.

 

 

 



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